Zu Besuch bei den Hereford Rindern von Kaifeck

P1120702Am 11 Juni 2016 haben wir mit unserem Convivium den Spargelhof Lebmeier bei Waidhofen besucht. Unser Slow Food-Mitglied Wolfgang Sittner hat den Vorschlag zu diesem Besuch in Kaifeck bei Schrobenhausen gemacht weil er sich seit Jahren von den Lebmeiers mit Spargel beliefern läßt, den er dann an Freunde verteilt.

Den Spargel gibt es vorab in der Wirtschaft wo wir uns um 12 Uhr treffen.

Bei unserem Ausflug interessieren wir uns allerdings weniger für Spargel, als für das zweite Standbein der Familie.

Die Lebmeiers waren mit die ersten, die Herefordrinder in Herden gehalten haben.
Inzwischen haben sie über 300 Tiere in fünf Herden, bei denen jeweils ein Stier mit läuft.

Wir werden von Mensch und Tier freundlich auf dem Hof begrüßt.
Die Tiere, das sind z.B. die drei altdeutschen Schäferhunde und zahlreiche Hofkatzen.
Kinder kommen hier voll auf ihre Kosten, weil es auch junge Katzen gibt.

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Die Menschen, das sind Vater, Mutter und Sohn Lebmeier.
Dazu Daniela, die nette junge Frau von Sohn Alois und die beiden Töchter des jungen Paars.

Die Mutter ist am Spargel schälen im kleinen Hofladen.
Klar, daß wir uns später Spargel mit nehmen.

Alle geben bereitwillig Auskunft und bald kennen wir die Lebensgeschichte von fast jedem Tier.

Auffällig ist, wie dem Menschen zugewandt alle Tiere sind.
Das gilt auch für die Stiere.

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Das erleichtert natürlich den Umgang mit den Tieren sehr, der ja nicht immer ungefährlich ist.

Der Sohn hat so manche Geschichte zu berichten, wie es sich anfühlt, wenn man zwischen die Jungstiere gerät.

Auch wenn die beiden hier auf dem Bild aussehen, als könnten sie kein Wässerchen trüben, wir haben sie beim spielerischen Kabbeln gesehen, und da ist man froh um die stabilen Umzäunung.

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Das Wetter ist mit uns, auch wenn die eigentlich geplante Radltour ausfällt, weil es morgens noch stark geregnet hat.
Als wir uns aufmachen zur Besichtigung der Herden, regnet es jedenfalls nicht.

Zuerst besuchen wir zu Fuß die Herden, die näher am Hof stehen.

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Dabei zeigt uns Vater Lebmeier stolz seine zwei Pferde (Hannoveraner- und Vollblut-Stute), die western geritten und auch zum Treiben der Rinder eingesetzt werden.
Er vermutet, daß die Hannoveraner-Stute Quarter-Blut hat, weil sie s.g. Cow Sense hat, also auch ohne Zutun des Reiters die Rinder treibt.

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Wenn die Lebmeiers rufen oder pfeifen, kommt Leben in die Herde.
Die Tiere wissen ja, daß es dann meistens etwas Gutes gibt.
Nur heute leider nicht. Aber aber offensichtlich sind wir auch so eine Attraktion für die neugierigen Tiere – wie umgekehrt.

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Die Stiere haben z.T. einen Nasenring. Um ihrer Aufgabe der Fortpflanzung nachkommen zu dürfen, müssen sie gekört sein.
Dazu werden sie einem Richter-Team bei speziellen Veranstaltungen vogestellt, genauso wie es bei Pferden auch abläuft.

Bei dieser Vorstellung ist der Nasenring zwingend vorgeschrieben.

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Diese Stiere wirken sehr freundlich, aber natürlich ist es nicht ratsam, als Fremder auf die Weide zu gehen. Allerdings liegt das weniger an den Stieren, als an den Kühen. Die können sehr grantig reagieren, wenn sich jemand zwischen sie und ihre Kälber stellt.

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Herr Lebmeier erklärt uns, was einen guten erfahren Stier aus macht:
Er versucht die Kuh nur dann zu decken, wenn diese auch wirklich aufnahmebereit ist.
Das Motto „Jeder Schuss ein Treffer“ spart viel Energie und ein Stier, der das Motto beherzigt, bleibt länger fit und kann viele Jahre in der Herde bleiben.

Um Inzucht zu vermeiden, wird zwischen den Hereford-Rinder-Haltern von Zeit zu Zeit ein Stier-Tausch veranstaltet. Dann deckt ein fremder Stier für einen Sommer in der Herde.

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Natürlich muß über alles genau Buch geführt werden.

Die bürokratischen Auflagen sind streng und manchmal nervig.
Auch die Kosten sind nicht zu unterschätzen.
Jede Ohrmarke für jedes Kalb kostet einige Euro und muß sofort ersetzt werden, wenn sie verloren oder zu Bruch geht.

Der Hof ist weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt, sowohl wegen dem Spargel, als auch wegen dem Fleisch und den Zuchttieren.

Erst ein paar Tage vor unserem Besuch wurden 30 Rinder nach Österreich verkauft, um dort den Grundstock einer neuen Herde zu bilden.

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Herr Lebmeier Senior fährt persönlich seine Produkte zu den Kunden, zu denen vielen renommierte Gastwirte gehören.

Der Junior ist auch auf der Straße unterwegs, weil er unter der Woche als LKW Fahrer arbeitet.

Das Futter für die Rinder wird auf dem Hof produziert.
Es gibt echtes Heu, statt Silage. Die Wiesen werden sehr spät gemäht, weil der Hof in einem Wiesenbrüter-Programm mit macht.
Im Paar-Tal gibt es noch Brachvögel und die werden durch die späte Mahd geschützt.
Außerdem kann sich eine artenreiche Kräuter-Wiese entwickeln, wenn später gemäht wird und das Heu von solchen Wiesen ist natürlich viel gesünder für die Rinder.

Zugefüttert wird außerdem etwas Mais-Silage aus eigenem Anbau.
Soja- oder sonstiges Mastfutter ist verpönt.
So ist auch selbstverständlich gentechnisch verändertes Futter auf dem Hof kein Thema.

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Das eigene Futter hält die Rinder ebenso gesund, wie die Aufzucht im Freien.

Eine der Herden hat seit drei Jahren keinen Stall von innen gesehen.
Im Winter wird immer wieder an die gleiche Stelle Stroh aufgeschüttet.
Die Kühe koten dort hin, was die Verrottung fördert.
Wenn sie sich dann in das warme Stroh legen, ist das ein guter Schutz gegen die Winterkälte.

Antibiotika werden nur im äußersten Notfall bei Krankheit eingesetzt, so wie es auch gesetzlich vorgeschrieben ist.

Wie sich die Tiere auf den Weide bewegen, könnte Ihr in diesem Video sehen:

Geschlachtet wird, wenn der Großteil eines Rindes vorbestellt ist.
Bestellt wird Telefonisch und es gibt einen Lieferservice nach Hause nach Absprache.

Hier sind die Kontaktdaten von Alois und Daniela Lebmeier unter denen man aktuelle Schlachttermine erfährt:
Tel: 0175 4072357
Email: kaifecker@googlemail.com

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Augsburger Huhn, auf ein Neues

Vor einigen Tagen haben wir wieder einmal den Hollerhof in der Wellenburger Allee in Augsburg-Göggingen besucht. Wir halten regelmässig Kontakt zu Frau Zimmermann, die unsere Augsburger Hühner aufzieht.

Im letzten Jahr waren ja leider nur wenige Augsburger Hühner schlachtreif geworden. Einige hatte der Habicht geholt, da er die Augsburger Hühner wegen ihrer relativen Kleinwüchsigkeit leichter schlagen kann als die größeren Rassen. Und die Hühner tun ihm auch leider den Gefallen, sich nicht unter den Bäumen zu verstecken, sind sozusagen also ein gefundenes Fressen. Weiterlesen

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Geschützte geografische Angabe..überraschende Schwierigkeiten

Heute hatte ich mir vorgenommen, mich endlich einmal um unseren Antrag auf Aufnahme der Kartoffelsorte „Augsburger Gold“ in die „Slow Food Arche des Geschmacks“ zu kümmern.

Der Antrag wurde 2013 von unserem Convivium bei Slow Food eingereicht und kam Anfang 2015 bei dem Zuständigen mit Anmerkungen zurück, dass noch Informationen fehlen. Irgendwann landete das ganze dann auch bei mir mit der Bitte, ob ich mich vielleicht darum kümmern könnte.

Meine Frau Regina Oswald und ich haben dann das Internet nach weiteren Informationen durchsucht und, da es in dem Antrag angemerkt war, auch den „Kartoffelpapst“ Karsten Ellenberger angeschrieben.

Da wir so die Fragen nicht beantworten konnten und auch keine Antwort von Herrn Ellenberger kam, habe ich heute dort angerufen. Im Ergebnis habe ich zwar immer noch keine Antworten, da es die gewünschten Informationen möglicherweise gar nicht gibt und wir deswegen auch noch nicht wissen, wie es mit dem Antrag weitergehen wird.

Aber ein bestimmter Punkt hat mich doch sehr erstaunt und ist der Grund für diesen Beitrag:

Seit dem die Kartoffelsorte „Bamberger Hörnla“ europaweit mit einer „geschützten geografischen Angabe“ geschützt ist, haben die Anbauer Schwierigkeiten, Saatkartoffeln zu bekommen und sind deswegen alles andere als begeistert. Denn jetzt müssen die „Bamberger Hörnla“ aus dem Bamberger Raum kommen und da gibt es momentan anscheinend keinen, der das richtig macht. Und somit ist die Sorte heute wohl gefährdeter, als sie es vor dem Schutz war. Früher konnte diese Sorte eben jeder ziehen, der das machen wollte. Ein sicher nicht ganz gewünschter Nebeneffekt.

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Artikel über Slow food und das Convivium Augsburg in der Regionalbeilage der Augsburger Zeitung

Am 26.02.2016 sind wir in der Augsburger Allgemeinen mit einem schönen Artikel präsent:

http://www.augsburger-allgemeine.de/special/Meine_Region/Slow-Food-ein-Ernaehrungstrend-id37046077.html

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Nachruf Lissi Scheiblich

Ein Nachruf
(von Helmut Wager)

Als wir vom Tod von Lissi Scheiblich erfahren haben, sind uns viele gute Erinnerungen an sie wieder ins Bewusstsein getreten. Erinnerungen an ihren klaren Blick auf Ereignisse und Personen, ihre humorvollen Kommentare und ihre zuverlässige Mithilfe beim Aufbau unseres Conviviums. Lissi Scheiblich und ihre Familie gehören zu den „dienstältesten“ Slow Food Mitgliedern in Augsburg. Auch bei genussvollen Zusammenkünften leistete sie ihren Beitrag. Für unser Sommerfest im Häspelegässchen hat sie uns einen “Hackbraten einmal anders“ zubereitet.

Ein Bild aus schönen Tagen (2005):
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Hackbraten von Lissi Scheiblich:

Lissi Hackbraten

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Eingeordnet unter Über das Slow Food Convivium Augsburg / Schwaben

Abruzzenabend – Kochen mit Lamm

Die Abruzzen sind eine sehr abwechslungsreiche Region in Mittelitalien, wo noch Bären und Wölfe vorkommen.
Der höchster Berg – der Gran Sasso- ist gleich hoch, wie die Zugspitze.
Zwar gibt es durch die Nähe zum Meer auch alle mediterranen Gewächse, aber geprägt ist das Land von seinen rauhen Berglagen, die sich praktisch nur zur Viehhaltung eignen.
Im Winter fallen enorme Mengen Schnee bis in die tieferen Regionen.

Bis heute werden jedes Jahr Schafe auf die kargen Hochebenen getrieben und so kommt es, daß Lammprodukte ein sehr wesentlicher Bestandteil der abruzzesischen Küche sind.

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Schäfer auf dem Campo Imperatore (Gran Sasso Gebiet)

Wer die Idee hatte einen Abruzzenabend mit gemeinsamen Kochen zu veranstalten, läßt sich im Nachhinein nicht mehr genau sagen.
Es gibt einige Abruzzen-Fans im Augsburger Convivium.
Seit ich vor vielen Jahren im dortigen Nationalpark ein Praktikum gemacht habe, habe ich eine große Leidenschaft für die Region und letztes Jahr haben Rolf und ich nach 20 Jahren endlich mal wieder die Abruzzen besucht – genau genommen die Gebirgsregion Maiella.

Letztendlich konnte der Abend aber nur zustande kommen, weil wir das Glück haben, daß Tommaso Di Sciullo unserem Convivium seit vielen Jahren verbunden ist.
Das kommt noch aus der Zeit, wo er im Gasthaus Emelka gearbeitet hat, das damals Slow Food Stammlokal war.

Herr Di Sciullo stammt aus einem Dorf, das in dieser abwechslungsreichen und kleinräumigen Landschaft zwischen der Maiella und dem Meer liegt, die uns letztes Jahr so fasziniert hat.
Zwar lebt er schon seit 50 Jahren in Deutschland, aber natürlich hält er guten Kontakt in seine alte Heimat und besucht sie regelmäßig.

Er hat sich bereit erklärt, den Abruzzenabend mit dem Kochevent zu leiten und hat auch viele Original-Zutaten von seinem letzten Urlaub mit gebracht.

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Zwischen Meer und Maiella

Slow Food propagiert als ein Mittel gegen Lebensmittel-Verschwendung, daß das Fleisch und die Innereien der Tiere komplett verwertet werden, nicht nur die beliebten Teile, wie Schnitzel oder Keule.
Was in den Abruzzen bis vor kurzem eine aus der Not geborene Tugend war – daß nichts vom Tier verschwendet wird – ist heute eine Liebhaber-Küche, die nur noch wenige – vor allem die älteren – Leute beherrschen.
Viele Einwohner mußten auswandern.
Herr Di Sciullo hat erzählt, daß sich im August zur Zeit des Ferragosto viele Auswanderer von überall auf der Welt in ihren Dörfern treffen und von den Zurückgebliebenen Tag für Tag mit den kulinarischen Kostbarkeiten verwöhnen lassen.

Leider steht zu befürchten, daß die Rezepte und damit verbundenen Fähigkeiten bald aussterben.
Auch im Heimatdorf von Tommaso Di Sciullo liegt das Durchschnittsalter bei 65 Jahren. Der jüngste Einwohner ist der Bürgermeister.

So passt es gut ins Konzept von Slow Food, daß Herr Di Sciullo vorschlägt, Lammmägen zu kochen.
Er hat sie bei einem Metzger in Guardiagrele füllen und einfrieren lassen und dann sorgfältig in der Kühltasche nach Augsburg verfrachtet.
Ebenso wie die Wurst-Spezialitäten für die Vorspeise.

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Eine der schönen alten Gassen in Guardiagrele

Unser Auftrag war es, für die Lamm-Keule zu sorgen. Das hat leider nicht wie geplant funktioniert.
Angedacht war es, Lechtal Lamm zu besorgen.
Unter diesem Namen werden die Schafe vermarktet, die zur Landschaftspflege auf den Lech-Heiden eingesetzt werden.
Schon vor einem Jahr habe ich mich für uns privat informiert, wo man das Lechtal Lamm kaufen kann.
Und auch Rolf hat nun ganz aktuell auf der Homepage vom Lechtal Lamm die Info gefunden, daß es bei der Metzgerei Kaindl erhältlich ist.
Diese gibt es aber schon seit zwei Jahren nicht mehr. Der Nachfolger der Metzger Kaindl versprach, das Lamm ab Donnerstag bereit zu halten.
Beim Abholen wurden wir dann informiert, daß sie kein Lechtal Lamm mehr beziehen, sondern das Fleisch von einem Mühlhauser Schäfer bekommen.
Da auch dort die Schafe artgerecht gehütet werden, war das für uns auch Ok.

Nur leider war der Lieferant noch nicht gekommen und wir mußten zwei Stunden später noch mal vorbei fahren.
In der Zwischenzeit besorgten wir die anderen Zutaten im Bio-Supermarkt in Königsbrunn.
Als wir zum 2. Mal kamen, war die Metzgerin zu Tode betrübt und mußte uns gestehen, daß der Lieferant nur gefrorene Lammkeule hatte, weil er aus irgendeinem Grund nicht zum Schlachten gekommen war. Nun ja, besser als Neuseeland Lamm vom Vinzenz Murr -was sie uns als Alternative vorschlug – ist auch das.

Die Lammkeule war auch nicht, wie bestellt, entbeint.
Zum Glück hatte sich der enge Kreis schon für 17 Uhr verabredet, also eine Stunde vor den anderen Teilnehmern und so begann der Abend mit dem Entbeinen der Lammkeule.

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Herr Di Sciullo entbeint das Lamm. Die Knochen wandern in die Soße.

Außerdem sortieren wir schon mal die Zutaten für die Menüfolge des Abruzzenabends und legen die Rezepte bereit:

Vorspeise: mildes und deftiges von der Wurst

1.Gang: Pasta e fagioli
Hausgemachte Nudeln mit Bohnen

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Zwischengang: Stigliolo d’agnello e salsiccia con polenta
Lammmagen und Wurst mit Polenta

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Hauptgang: Agnello al forno con patate al rosmarino
Gebratenes Lamm mit Rosmarinkartoffeln

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Dessert: Cellucci con marmellata d’uva
Gefüllte „Vögelchen“ mit Traubenmarmelade

Bei aller Sorgfalt und trotz guter Aufgabenteilung blieb es nicht aus, daß noch Zutaten fehlten, aber auch das war dank Zeit-Reserve kein Problem.
Das Haus der Familie, wo wir die Großküche von der AWO gemietet hatten, liegt auch recht zentral, so daß die Kleinigkeiten noch schnell besorgt werden konnten.

Inzwischen kamen die anderen Teilnehmer an.
Zwei Gäste mußten leider aus gesundheitlichen Gründen absagen, dafür kam eine Dame aus dem Nachbar-Convivium Fürstenfeldbruck /Fünf-Seen-Land.
Das hat uns sehr gefreut, weil Austausch mit den Nachbar-Convivien ein großes Anliegen ist.
Außerdem durften wir zwei Teilnehmer begrüßen, die neu zu Slow Food stoßen werden.

12 Teilnehmer lassen sich vorteilhaft aufteilen, so daß sich jeweils ein 3-Team um ein Gericht kümmert.
Ich hatte mich sofort für die Nudel-Produktion gemeldet.

Herr Di Sciullo hatte versprochen, seine Chitarra („Gitarre“) sowie das kleine Nudel-Handmaschinchen mit zu bringen, mit dem man die Teigplatten herstellt.
Vorher war aber Teigkneten angesagt. Erst nach 15 Minuten bekommt der Teig die richtige Konsistenz.

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Beim Teig kneten bleibt Zeit dem Nachbarn über die Schulter zu schauen.

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Hier werden die Teigplatten erzeugt

Im Team ist das Kneten keine große Mühe, alleine machen die Hände bei dieser kräftezehrenden Aufgabe schnell schlapp.
Für Kletterer wäre das ein tolles Training zur Stärkung der Handmuskulatur.
Die Teigplatten werden mehrmals wieder gefaltet und durch die Nudelmaschine gezogen, die dabei immer enger eingstellt wird. So enstehen gleichmäßige Rechtecke.
Dann kommt die Platte auf die Chitarra. Mit einem Nudelholz wird der Teig durch die feinen Drähte getrieben und so entstehen perfekte Bandnudeln.

Wenn ich bislang Nudeln gemacht habe, dann nur mit dem Nudelholz, was zu dicken Teig und kurvige Nudeln ergibt, die zwar auch gut schmecken, aber einfach nicht so professionell aussehen.

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Mit der Chitarra sind die gleichmäßige Bandnudeln einfach zu machen.

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Die fertigen Nudeln warten aufs Kochen

In der Zwischenzeit wird die Soße für die Lammmägen produziert und ein Frauenteam kümmert sich um die Vögelchen für das Dessert, was ein echt anstrengender Fließbandjob am Backofen ist.

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Tomatensoße

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Unser Cellucci-Team ist mit besonders viel Begeisterung bei der Sache und hat vermutlich die meiste Arbeit.

Es ist faszinierend, wie 12 Menschen, die sich zum Teil noch nie gesehen haben, ratz+fatz und reibungslos im Team zusammen arbeiten, wenn die Motivation und die Freude an der Arbeit stimmen.

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Hochmotiviert und konzentriert geht es zur Sache.

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Aber natürlich steht und fällt das Gelingen damit, daß Herr Di Sciullo und sein Sohn, der momentan in Kempten eine Ausbildung zum Hotelfachmann absolviert, überall ihr scharfes Auge haben und Tipps geben und die zeitliche Abfolge koordinieren.

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Tommaso Di Sciullo und unser 2. Vorsitzender Christoph Schrötter

Im Nebenraum werden schnell die Tische umgestellt, so daß eine lange Tafel entsteht, so wie es auch Italien üblich ist, wenn man zum Essen zusammen kommt.
Während einer kurzen Kochpause setzen wir uns schon mal zur Vorspeise zusammen, die aus den Würsten und leckerem Pecorino-Käse bestehen.
Diesen Käse bringt Herr Di Sciullo ebenfalls aus den Abruzzen mit und kann ihn ohne Weiteres ein Jahr lang aufbewahren. Daran erkennt man ein Qualitätsprodukt.

Dann werden die Nudeln gekocht und mit den Bohnen zusammen gemischt.
Das ist der erste Gang.

Bevor wir diesen verspeisen, kommt das Lamm mit den Kartoffeln in die Röhre, die vorher auf zwei Backblechen mit reichlich Olivenöl vorbereitet wurden.
Dekoriert ist dieses Gericht mit reichlich frischen Rosmarin-Zweigen aus unserem Garten.

Puh…bei den weißen Cannellini Bohnen hatte ich mich vertan und habe am Vorabend beide Packungen eingeweicht. Das ist natürlich viel zu viel und wir sind uns schnell einig, daß wir keinen Ehrgeiz entwickeln, die Pasta Fagioli komplett zu essen.
Das alleine hätte als komplette Mahlzeit ausgereicht.

Auch so brauchen wir eine kurze Pause, bis es mit den Lammmägen in Tomatensoße mit gebratenen Polenta-Stücken weiter geht.

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Die rohen Lammmägen sehen schon etwas befremdlich aus

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Und hier gemeinsam mit der Salsica und Polenta-Schnitten

 

Die rohen Lammmägen sehen schon etwas gewöhnungsbedürftig aus.

Beim Verkosten des Endprodukts mit der Salsiccia und den Polentaschnitten sieht man dann lauter konzentrierte Gesichter, die dem interessanten Geschmack nachfühlen.
„Schmeckt sehr archaisch“ und „deutlich nach Tier“ – ist die einhellige Meinung. Fast jeder holt noch etwas nach.

Die Lammkeule ist jetzt 1,5 Stunden bei 180°C im Ofen gewesen, und das Fleisch wäre nach einer Stunde einen Tick saftiger gewesen. Aber lecker ist sie allemal.

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Die Lammkeule vorbereitet.

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…und auf dem Teller

Spätestens jetzt macht sich leichte Sättigung breit und Herr Di Sciullo läßt seinen Kräuterschnaps mit Lakritze-Geschmack rum gehen, was ebenfalls eine Spezialität ist, die es nur in einer kleinen Region gibt. Auch die eingefleischten Lakritze-Hasser finden den Schnaps sehr genießbar.

Ich bleibe bei meiner Apfelschorle und vermisse höchstens einen Espresso zum Dessert, den besagten Vögelchen.
Das sind mit Traubenmarmelade gefüllte Teigplatten, die mit Vögel-Förmchen ausgestochen werden.
Aus Zeitmangel wurde der letzte Teig einfach zu runden Teig-„UFO´s“ verarbeitet.

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Die Teigränder bekommen mit der Gabel einen „Feder-Schmuck“ verpasst

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Und hier die Schnellvariante

Da der Teig nicht sehr süß ist, passen sie tatsächlich immer noch hinein.

Hier sitzt die Gruppe beim Abruzzen-Mahl:

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Fast so konzentriert wie beim Kochen sitzen wir beim Essen der Lammmägen beisammen.

Da in der Zwischenzeit die einzelnen Teams immer wieder aufgeräumt und abgespült haben, hält sich die Arbeit zum Schluss in Grenzen.
Das ist auch gut so, weil inzwischen kann sich wirklich niemand mehr rühren.

Zum Glück haben wir die große Schüssel dabei, in der wir die eingeweichten Bohnen transportiert hatten.
Und auch andere haben daran gedacht, Plastikdosen mit zu bringen, so daß die Reste verteilt werden konnten.
Wir müssen uns merken, bei künftigen Veranstaltungen dieser Art die Teilnehmer dran zu erinnern, daß sie Behälter mit bringen.
Natürlich möchte man nicht, daß es irgendwo fehlt und kocht zu reichlich auf.

Wir für unseren Teil haben den Pasta Fagioli am nächsten Tag noch ein würdiges Nachspiel bereitet.
Wir hatten eigentlich Avocado mit Pellkartoffeln auf dem Plan, die schon überreif waren.
So wurde 1/3 der Avocados gewürfelt und der Rest zu einem Dip mit Zitronensaft, Knoblauch und scharfen Gewürzen verarbeitet.
Die Bohnen+Nudeln wurden in Olivenöl in der Pfanne aufgewärmt, die gewürfelten Avocados untergemischt und der Dip auf dem Teller dazu gegessen.

Das war ein schneller und leckerer – wenn auch sicher nicht original abruzzesischer – Abschluss.
Aber zumindest waren wir der Abruzzen-Küche in sofern noch mal treu, als ganz sicher nichts verkommen ist.

Soweit ich es einschätzen kann, hatten alle Teilnehmer viel Freude an dem Abend und wir bedanken uns ganz herzlich bei den Di Sciullos, die so viel Mühe auf sich genommen haben, um uns diese Rezepte zu zeigen, die auch in ihrer alten Heimat längst nicht mehr selbstverständlich sind.

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Vater und Sohn Di Sciullo

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Über das Slow Food Convivium Augsburg / Schwaben, Kulinarisch kreativ - einfach(e) Rezepte

Slowfood war beim Regionalvermarktertag in Augsburg dabei

Reges Interesse am Stand von Slowfood Augsburg herrschte beim Regionaltag im Botanischen Garten von früh bis spät.

Reges Interesse am Stand von Slowfood Augsburg herrschte beim Regionaltag im Botanischen Garten von früh bis spät.

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Zum vierten Mal fand der jährliche Regionalvermarkter-Tag „Gesund, regional und lecker!“ am Sonntag 13.09. im Botanischen Garten Augsburg statt. Slowfood Augsburg war zum ersten – und sicher nicht zum letzten – Mal dabei. Das Interesse war vom sonnigen Morgen bis zum gewitterumwölkten Abend groß und erstaunlich vielfältig. Die Genusslandkarte und auch Ausgaben der Mitgliederzeitschrift gingen weg wie an anderen Ständen das regionale Gemüse – nämlich reißend. Unzählige Gespräche fanden statt – das Interesse ist groß.

Und nachdem man mit der Veranstaltungsleitung schon mal über eine interessante Aktion fürs nächste Jahr, die gut in die luftige Atmosphäre des hellen Glashauses passen würde, geplaudert hat, dürfte es auch eine für Slowfood interessante Neuauflage in 2016 geben.

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